Frau schreibt entspannt in einfaches Notizbuch am Tisch, Journaling-Methoden ohne Perfektionsdruck

Journaling-Methoden: Vergiss perfekt – mach einfach dein Ding

Kennst du das? Du hast dir ein schönes neues Notizbuch gekauft. Vielleicht hast du sogar stundenlang Pinterest durchforstet, um die perfekte Journaling-Methode zu finden. Bullet Journal? Morning Pages? Gratitude Journal?

Du willst alles richtig machen. Das Notizbuch ist so schön, da soll auch alles perfekt aussehen.

Also verbringst du 30 Minuten damit, die erste Seite zu gestalten. Mit Überschriften, Rahmen, vielleicht sogar kleinen Zeichnungen. Es sieht toll aus.

Am nächsten Tag brauchst du wieder 30 Minuten. Am dritten Tag hast du keine Lust mehr. Nach einer Woche liegt das Notizbuch in der Ecke und du denkst: “Journaling ist wohl nichts für mich.”

Aber hier ist die Wahrheit: Es liegt nicht an dir. Es liegt an der falschen Methode für dein Leben.

In diesem Artikel zeige ich dir 5 verschiedene Journaling-Methoden. Nicht, damit du die “perfekte” findest. Sondern damit du die findest, die du auch wirklich machst. Unperfekt, unregelmäßig, auf deine Art.

Denn das beste Journaling-System ist das, das du tatsächlich nutzt.

Warum “die perfekte Methode” dich vom Anfangen abhält

Bevor wir zu den Methoden kommen, lass uns über das größte Hindernis sprechen: den Perfektionismus.

Du kennst diese wunderschönen Bullet Journals auf Pinterest. Jede Seite ein Kunstwerk. Perfekte Handschrift, harmonische Layouts, liebevolle Details. Sie sind inspirierend. Und gleichzeitig können sie genau das sein, was dich davon abhält, überhaupt anzufangen.

Hier ist, was oft passiert:

Du siehst diese perfekten Journals und denkst: “So sollte meins auch aussehen.” Also kaufst du die richtigen Stifte, planst das Layout, überlegst dir das Design. Du brauchst 30 Minuten für eine einzige Seite. Am Anfang macht das noch Spaß.

Aber nach ein paar Tagen merkst du: Das ist zu aufwändig. Du hast nicht jeden Tag 30 Minuten Zeit. Und wenn du mal gestresst bist oder müde, ist das Letzte, worauf du Lust hast, eine neue Seite zu gestalten.

Also lässt du es. Und fühlst dich schlecht dabei.

Aber hier ist die Sache: Dein Gehirn liebt Gewohnheiten, die wenig Widerstand haben. Je komplizierter die Methode, desto höher die Hürde. Und desto wahrscheinlicher, dass du es nicht machst.

Das heißt nicht, dass schöne Layouts schlecht sind. Wenn du Freude daran hast und die Zeit hast – großartig! Aber wenn Perfektion dich davon abhält anzufangen, dann ist sie dein größter Feind.

Die Lösung? Anfangen ist wichtiger als perfekt sein.

Nimm irgendein Notizbuch. Schreib das Datum hin. Fang an. Du kannst es jederzeit anpassen, sobald du weißt, was für dich funktioniert.

5 Journaling-Methoden im Reality-Check

Jetzt schauen wir uns fünf verschiedene Journaling-Methoden an. Nicht als Anleitung, die du exakt befolgen musst, sondern als Inspiration. Such dir aus, was zu dir passt. Oder kombiniere mehrere. Oder erfinde deine eigene Version…

Morning Pages: Freies Schreiben am Morgen

Was ist das?
Morning Pages kommen von Julia Cameron aus ihrem Buch “Der Weg des Künstlers”. Die Idee: Jeden Morgen schreibst du drei Seiten von Hand, völlig ungefiltert. Einfach alles, was dir durch den Kopf geht. Kein Thema, keine Struktur, keine Regeln.

Für wen passt das?
Für Kopfmenschen, deren Gedanken morgens schon Karussell fahren. Wenn dein Kopf ständig voll ist mit To-Dos, Sorgen, Ideen und du das Gefühl hast, du musst das alles irgendwie rauslassen.

Wie geht’s?
Du brauchst nur ein Notizbuch und einen Stift. Setz dich morgens hin, bevor der Tag richtig losgeht. Schreib drei Seiten. Was du schreibst, ist egal. Ob es Sinn ergibt, ist egal. Ob du gestern beim Einkaufen warst oder über deine Lebenskrise nachdenkst – alles raus auf Papier.

Der große Vorteil:
Es ist ein kompletter Brain Dump. Du musst nicht nachdenken, nicht strukturieren, nicht schön schreiben. Einfach nur schreiben. Das kann unglaublich befreiend sein.

Der Haken:
Es braucht Zeit. Ungefähr 20 Minuten. Wenn du morgens schon im Stress bist, kann das schwierig werden.

Perfektionismus-Falle:
Es gibt hier eigentlich keine. Das ist das Schöne an Morning Pages – sie sollen chaotisch sein. Aber: Manche Leute fangen an, die drei Seiten als starre Regel zu sehen. “Ich MUSS drei Seiten voll schreiben.” Nein, musst du nicht. Wenn dir nach einer Seite reicht – völlig okay.

Quick-Start-Tipp:
Morgen früh: Nimm ein beliebiges Notizbuch. Stell dir einen Timer auf 10 Minuten. Schreib einfach, was dir in den Kopf kommt. Keine drei Seiten, keine Perfektion. Nur 10 Minuten freies Schreiben.

Bullet Journal: Das strukturierte System

Was ist das?
Das Bullet Journal, entwickelt von Ryder Carroll, ist ein analoges Organisations-System. Es kombiniert To-Do-Listen, Kalender, Notizen und Tracker in einem Notizbuch. Mit einem einfachen System aus Symbolen und kurzen Einträgen (Bullets) organisierst du dein Leben.

Für wen passt das?
Für Menschen, die Struktur lieben. Die gerne Dinge abhaken, Listen führen und alles an einem Ort haben wollen. Wenn du der Typ bist, der To-Do-Listen macht und sich dabei gut fühlt – Bullet Journal ist für dich.

Wie geht’s?
Im Kern ist es simpel: Du nutzt kurze Stichpunkte (Bullets) und ein paar einfache Symbole. Ein Punkt für Aufgaben, ein Kreis für Events, ein Strich für Notizen. Du kannst Module hinzufügen: Habit-Tracker, Monatsübersichten, Sammlungen zu bestimmten Themen. Es ist flexibel und wächst mit deinen Bedürfnissen.

Der große Vorteil:
Alles an einem Ort. Dein Kalender, deine Listen, deine Gedanken, deine Ziele. Du kannst es komplett individualisieren. Es gibt keine starre Struktur wie bei fertigen Planern.

Der Haken:
Es kann schnell overwhelming werden. Besonders wenn du auf Pinterest oder Instagram schaust, siehst du diese unglaublich schön gestalteten Bullet Journals. Das verleitet dazu, Stunden mit dem Layout zu verbringen statt einfach deine To-Dos aufzuschreiben.

Perfektionismus-Falle:
Hier lauert sie an jeder Ecke. Fancy Layouts, perfekte Handschrift, kunstvolle Monatsübersichten. Aber hier ist die Wahrheit: Das Original Bullet Journal von Ryder Carroll ist super simpel. Nur Listen, Symbole, fertig. Wenn du 30 Minuten pro Seite brauchst, machst du es nach drei Tagen nicht mehr.

Quick-Start-Tipp:
Nimm irgendein Notizbuch. Schreib das heutige Datum hin. Mach eine To-Do-Liste mit Bullet Points. Schreib deine Gedanken und Ideen im Laufe des Tages auf. Das ist Bullet Journaling. Fertig. Alles andere – Layouts, Tracker, Doodles – kannst du später hinzufügen, wenn du willst.

Prompt-Based Journaling: Geführtes Reflektieren

Was ist das?
Beim Prompt-Based Journaling arbeitest du mit konkreten Fragen oder Themen. Jeden Tag oder jede Woche beantwortest du bestimmte Prompts, die dich zum Nachdenken anregen. Zum Beispiel: “Was hat mich heute herausgefordert?” oder “Wofür bin ich gerade dankbar?”

Für wen passt das?
Für Menschen, die vor dem leeren Blatt sitzen und nicht wissen, wo sie anfangen sollen. Wenn freies Schreiben dich überfordert und du lieber eine klare Richtung hast.

Wie geht’s?
Du suchst dir Prompts aus – entweder aus Büchern, online oder du erstellst dir deine eigenen Fragen. Dann nimmst du dir jeden Tag oder jede Woche einen Prompt vor und schreibst dazu. Das kann eine Seite sein oder nur ein paar Zeilen, je nachdem, wie viel dir dazu einfällt.

Der große Vorteil:
Keine Schreibblockade. Die Frage ist schon da, du musst sie nur beantworten. Das macht es besonders anfängerfreundlich. Und du kannst gezielt an bestimmten Themen arbeiten – Selbstvertrauen, Dankbarkeit, Klarheit über deine Ziele.

Der Haken:
Es ist weniger spontan. Manchmal will dein Kopf über etwas ganz anderes schreiben als die Frage, die vor dir liegt. Dann fühlt es sich einengend an.

Perfektionismus-Falle:
Manche Menschen denken, sie müssen jede Frage perfekt und ausführlich beantworten. Nein. Manchmal reicht ein Satz. Manchmal schreibst du drei Seiten. Beides ist okay.

Quick-Start-Tipp:
Such dir online “Journaling Prompts” oder schreib dir einfach eine Frage auf: “Was beschäftigt mich gerade?” Beantworte sie. Fertig.

Gratitude Journal: Das Dankbarkeitstagebuch

Was ist das?
Jeden Tag schreibst du drei bis fünf Dinge auf, für die du dankbar bist. Das kann alles sein – von “mein Morgenkaffee” bis zu “das Gespräch mit meiner besten Freundin”. Es geht darum, bewusst auf die guten Momente zu schauen.

Für wen passt das?
Für Menschen, die dazu neigen, sich auf das Negative zu fokussieren. Wenn dein Gehirn automatisch zu “was ist alles schief gelaufen” geht, kann ein Gratitude Journal gegensteuern.

Wie geht’s?
Entweder abends oder morgens schreibst du kurz und knapp auf, wofür du dankbar bist. Manche machen das in ganzen Sätzen, andere einfach als Stichpunkte. Es dauert keine fünf Minuten.

Der große Vorteil:
Es ist wissenschaftlich belegt, dass regelmäßiges Dankbarkeit-Schreiben deine Stimmung verbessern kann. Es trainiert dein Gehirn, auf das Positive zu achten. Und es ist super quick – perfekt, wenn du wenig Zeit hast.

Der Haken:
Es kann oberflächlich werden. Wenn du jeden Tag “Kaffee, Sonne, Bett” schreibst, wird es zur Routine ohne echte Wirkung. Es braucht ein bisschen Bewusstsein, damit es nicht zur mechanischen Aufgabe wird.

Perfektionismus-Falle:
Eigentlich gibt es hier keine große Falle. Aber manche denken, ihre Dankbarkeit müsse immer “bedeutend” sein. Nein. Auch kleine Dinge zählen. Dass das Wetter schön war. Dass du einen guten Parkplatz gefunden hast. Alles ist erlaubt.

Quick-Start-Tipp:
Heute Abend, bevor du ins Bett gehst: Schreib drei Dinge auf, für die du heute dankbar bist. Egal wie klein. Das war’s.

Stream of Consciousness: Der Bewusstseinsstrom

Was ist das?
Du schreibst einfach alles auf, was dir durch den Kopf geht. Ohne Filter, ohne Struktur, ohne nachzudenken. Es ist wie ein innerer Monolog auf Papier. Gedanken, Gefühle, wirre Ideen – alles raus.

Für wen passt das?
Für kreative Menschen oder für Momente, in denen du emotional überwältigt bist. Wenn dein Kopf voll ist und du nicht weißt, wo du anfangen sollst, kann diese Methode unglaublich befreiend sein.

Wie geht’s?
Keine Regeln. Einfach schreiben. Satzzeichen? Optional. Logik? Nicht nötig. Rechtschreibung? Egal. Es geht nur darum, den Strom deiner Gedanken fließen zu lassen, ohne ihn zu lenken.

Der große Vorteil:
Es ist therapeutisch. Manchmal brauchst du einfach einen Weg, alles rauszulassen, was in dir feststeckt. Dieser ungefilterte Fluss kann Dinge an die Oberfläche bringen, die du gar nicht bewusst gedacht hast.

Der Haken:
Es kann chaotisch sein. Wenn du jemand bist, der Struktur braucht, kann das frustrierend sein. Und für langfristige Planung oder Zielsetzung ist es weniger geeignet.

Perfektionismus-Falle:
Eigentlich keine. Das Schöne an dieser Methode ist, dass sie per Definition unordentlich ist. Aber manche Menschen können trotzdem nicht aufhören, innerlich zu editieren. Falls dir das passiert: Schreib bewusst schneller, damit dein Verstand nicht mehr hinterherkommt.

Quick-Start-Tipp:
Setz dir einen Timer auf 5 Minuten. Schreib ohne abzusetzen. Was auch immer kommt. Lies es danach nicht mal durch. Einfach schreiben, fertig.

So findest du deine Journaling-Methode (ohne dich zu verzetteln)

Jetzt hast du fünf Methoden kennengelernt. Vielleicht denkst du jetzt: “Okay, aber welche ist jetzt die richtige für mich?”

Hier ist die ehrliche Antwort: Das weißt du erst, wenn du es ausprobierst.

Aber damit du nicht planlos herumexperimentierst, hier ein paar Fragen, die dir helfen können:

Was ist dein Ziel mit Journaling?
Willst du Klarheit über deine Gedanken bekommen? Dann sind Morning Pages oder Stream of Consciousness gut. Willst du organisierter werden? Bullet Journal. Willst du positiver denken? Gratitude Journal. Willst du gezielt an bestimmten Themen arbeiten? Prompt-Based Journaling.

Wie viel Zeit hast du realistisch?
Sei ehrlich. Nicht “Ich sollte 30 Minuten haben”, sondern “Ich habe realistisch 5 Minuten”. Gratitude Journal und Bullet Journal können super kurz sein. Morning Pages brauchen länger.

Magst du Struktur oder Freiheit?
Manche Menschen lieben Listen und klare Rahmen (Bullet Journal, Prompt-Based). Andere fühlen sich durch Struktur eingeengt und wollen einfach drauflos schreiben (Morning Pages, Stream of Consciousness).

Wie viel Gestaltungslust hast du? (Sei ehrlich!)
Wenn du gerne zeichnest, Layouts entwirfst und Zeit dafür hast – großartig, mach das! Aber wenn du nach der dritten schön gestalteten Seite keine Lust mehr hast, dann lass es. Es gibt kein Gesetz, das sagt, dein Journal muss hübsch sein.

Der Anti-Perfektionismus-Filter

Bevor du dich für eine Methode entscheidest, stell dir diese drei Fragen:

  1. Würde ich das auch machen, wenn das Notizbuch scheiße aussieht?
  2. Würde ich das auch machen, wenn ich müde bin?
  3. Würde ich das auch machen, wenn ich nur 5 Minuten habe?

Wenn du zweimal mit “Nein” antwortest, ist es wahrscheinlich nicht die richtige Methode für deinen Alltag.

Das heißt nicht, dass die Methode schlecht ist. Es heißt nur, dass sie nicht zu deinem Leben passt. Und das ist okay.

Experiment-Mindset: Anpassen ist erlaubt

Hier ist das Wichtigste: Du darfst die Methoden anpassen.

Niemand sagt, dass du Morning Pages exakt so machen musst, wie Julia Cameron es beschreibt. Wenn dir eine Seite statt drei reicht – perfekt. Wenn du Bullet Journal nur für To-Do-Listen nutzt und den ganzen Tracker-Kram weglässt – auch gut. Wenn du Gratitude Journal nur dreimal die Woche machst statt jeden Tag – völlig okay.

Hier sind ein paar Beispiel-Kombinationen:

  • Bullet Journal für Organisation + Gratitude Journal am Abend
  • Morning Pages, aber nur eine Seite + kurze Reflexionsfragen
  • Stream of Consciousness, wenn’s emotional wird + Bullet Journal für den Alltag
  • Prompt-Based Journaling am Wochenende + schnelle Listen unter der Woche

Probier eine Methode für zwei Wochen aus. Dann frag dich: Fühlst du dich leichter? Klarer? Oder eher genervt und unter Druck gesetzt?

Wenn es sich gut anfühlt – weitermachen. Wenn nicht – anpassen oder was anderes probieren.

Das Mantra, das du dir merken solltest:
Unperfekt machen ist Besser als Perfekt planen.

Dein Journaling darf unperfekt sein

Lass uns noch mal zusammenfassen, was wirklich zählt:

Es gibt kein “richtiges” Journaling.

Dein Notizbuch darf chaotisch sein. Die Seiten müssen nicht hübsch aussehen. Du darfst Tage auslassen. Sogar Wochen. Du darfst mitten in einer Methode merken, dass sie nicht passt, und einfach wechseln. Du darfst nur Listen schreiben, wenn dir danach ist.

Das Einzige, was zählt: Dass es dir hilft.

Nicht Instagram. Nicht Pinterest. Nicht irgendein perfektes Ideal. Sondern dir.

Vielleicht nutzt du dein Journal nur, wenn du das Gefühl hast, es zu brauchen. Vielleicht schaffst du es nicht, eine tägliche Routine aufzubauen. Vielleicht sieht dein System anders aus als bei allen anderen. Das ist nicht nur okay – das ist gut so.

Weil du dann ein System hast, das zu deinem Leben passt. Nicht umgekehrt.

Also: Welche Methode klingt am einfachsten für dich? Am wenigsten kompliziert? Am ehesten machbar?

Fang heute an. Mit einem simplen Notizbuch, einem Stift und null Erwartungen.

Du kannst es jederzeit anpassen. Versprochen.

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